Die Geschichte der Maxhütte in Sulzbach-Rosenberg

Die Eisenwerks-Gesellschaft Maximilianshütte wurde ursprünglich im Sauforst bei Burglengenfeld, im heutigen Maxhütte-Haidhof, als Fabrik für Eisenbahnschienen und Eisenbahnbedarf gegründet. Seinen Namen erhielt das Werk vom bayerischen König Maximilian II. Joseph, der am 26. September 1853 die Konzessionsurkunde unterschrieb. Den historischen Hintergrund bildete der Ausbau des bayerischen Eisenbahnnetzes seit den 1830er Jahren und die damit einsetzende Industrialisierung des Landes.

 

Bereits 1863 begann die Errichtung eines Zweigwerks in Rosenberg aufgrund der hochwertigen Eisenerzvorkommen der Region. Mit dem Bau des Thomas-Stahlwerks und des Walzwerks wurden 1892 der Produktionsschwerpunkt und die Hauptverwaltung nach Rosenberg verlegt. Bis 1914 stieg die Maxhütte zum größten Eisenhüttenunternehmen Süddeutschlands auf, mit zahlreichen Werken und Firmenbeteiligungen. Gleichzeitig vollzog sich der rasante Wandel Rosenbergs vom kleinen Dorf zur "größten Industriegemeinde Bayerns", die 1934 mit Sulzbach vereinigt wurde.

Zu den dunkelsten Kapiteln der Werksgeschichte zählt der Einsatz von Zwangsarbeitern während des Zweiten Weltkriegs. Von Kriegszerstörungen blieb das Rosenberger Werk verschont, die Maxhütte verlor aber 1945 ihre thüringischen und sächsischen Werke. Die 1950er Jahre standen im Zeichen des wirtschaftlichen Aufschwungs und reger Bautätigkeit. 1958/59 erzielten die Erzgruben mit über 600.000 Tonnen Erz die größte Ausbeute. Den höchsten Belegschaftsstand erreichte die Maxhütte 1965, als fast 5.000 Menschen im Werk Sulzbach-Rosenberg (mit Rohrwerk und Bergbau) beschäftigt waren, in allen Betrieben zusammen fast 10.000 Menschen.

 

Die europäischen Stahlkrisen seit Mitte der 1970er Jahre trafen die Maxhütte als Unternehmen mittlerer Größe und in ungünstiger Binnenlage besonders schwer. Dem steigenden Konkurrenzdruck setzte sie technische Innovationen entgegen, etwa der Entwicklung des noch heute weltweit verbreiteten OBM-Verfahrens. Trotz umfangreicher Investitionsprogramme musste die Maxhütte 1987 Konkurs anmelden. Nach der Schließung der Grube bei Auerbach, der letzten Erzgrube Deutschlands, wurde nur noch Importerz eingesetzt - der wichtigste Standortvorteil, die eigene Rohstoffbasis, war damit entfallen. Nun wurden auch die Nachteile der Monostruktur für die Stadt immer stärker spürbar. Bis 1997 hatte sich die wirtschaftliche Lage so verschärft, dass ein zweiter Konkurs erfolgte. Die Maxhütte schloss schließlich 2002 für immer. Der letzte Hochofenabstich erfolgte am 23. September 2002.

Heute stehen große Teile des Werkes unter Denkmalschutz, aufgrund der überragenden Bedeutung der Maxhütte für die neuzeitliche Geschichte der Stadt Sulzbach-Rosenberg und die Region und ihrer entscheidenden Rolle in der Montan- und Wirtschaftsgeschichte Bayerns. So lieferte das Werk beispielsweise etwa 50 Prozent der Schienen des bayerischen Eisenbahnnetzes oder deckte in den 1950er Jahren, zusammen mit der Amberger Luitpoldhütte, etwa die Hälfte des Eisen- und Stahlbedarfs in Bayern. Aus technikgeschichtlicher Sicht ist es als so genanntes integriertes Hüttenwerk aus Hochofenwerk, Stahlwerk und Walzwerk inzwischen einzigartig in Europa und veranschaulicht beispielhaft den Produktionsweg von der Roheisenherstellung zum gewalzten Stahl.

 

Was zukünftig mit den Werksanlagen geschehen soll, ist noch ungelöst. Neben der wirtschaftlichen Nutzung einiger Gebäude belegen kulturelle Veranstaltungen auch die Eignung der Maxhütte als Event-Ort mit überregionaler Anziehungskraft. Zurzeit läuft mit der Sanierung des Schlackenbergs bis voraussichtlich 2014 die größte durchgeführte Deponiesanierung Bayerns mit anschließender touristischer und kultureller Nutzung.

 

Edith Zimmermann, 2011

(für Heft: Edition Bayern: Amberg-Sulzbacher Land; Hg.: Haus der Bayerischen Geschichte 2012)

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